Käthe Kollwitz –

– Museum in Köln

KätheKollwitz, Selbstbildnis. 1926-1936, Käthe-Kollwitz-Museum, Köln, eigenes Bild. Bild (CC BY-NC-SA 4-0)

Käthe Kollwitz (1867 – 1945) ist aufgrund ihrer engagierten Vertretung menschlicher Werte über die Zeit zweier Weltkriege und unter den Nationalsozialisten keine Künstlerin für gefällige Sujets. Stilistisch ist sie wohl dem Realismus zuzuordnen und zwar in einer Zeit in der die Realität ihre finstersten Seiten zeigte. Inhaltlich sind unter diesen Umständen menschliche Schicksale ihr Thema, extreme soziale Bedingungen, Tod und Trauer sind daher expressionistische Elemente ihrer Kunst.

Sie besuchte als Käthe Schmitz eine Damenakademie in Berlin, denn wie in Frankreich waren Frauen nicht an einer Kunstakademie zugelassen.  1891 heiratet sie den Arzt Karl Kollwitz, mit dem sie zwei Söhne hatte. 1886 begegnete sie Gerhart Hauptmann, über dessen Drama „Die Weber“ sie 1898 eine Folge von Radierungen auf einer Berliner Kunstausstellung zeigte, wo sie von Max Liebermann entdeckt wurde.

Käthe Kollwitz, Weberzug, 1893 – 1897, Blatt 4 aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, ‘Städel Museum, Frankfurt am Main. (PDM 1.0)
(Die Abbildungen stammen im Moment noch aus anderen, frei verwendbaren Quellen.)

Eine von Liebermann vorgeschlagene Würdigung lehnte Kaiser Wilhelm II. ab. Dadurch stieg jedoch ihr Bekanntheitsgrad schlagartig. Auch die Kaiserin Auguste Viktoria reagierte später, 1906, ablehnend auf ein Plakat zur Ausstellung „Heimarbeit“. Die Ausstellung wurde in einer Berliner Prachtstraße gezeigt, um auch der Oberschicht die Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeiter:innen vor Augen zu halten. Genau das war aber der Grund für die Ablehnung der Kaiserin. Beide Arbeiten sind Bestandteile der Kölner Sammlung. (Die Abbildungen stammen aber im Moment noch teilweise aus anderen, frei verwendbaren Quellen.)

Käthe Kollwitz, Plakat der Deutschen Heimarbeit-Ausstellung Berlin 1906, Städel Museum, Frankfurt am Main. (PDM 1.0)

Zwischen 1901 und 1908 arbeitet sie an dem Zyklus „Bauernkrieg“ mit teilweise drastischen Bildern z.B. von einer am Boden liegenden vergewaltigten Frau. Die Radierung „Aufruhr“ geht diesem Zyklus voran. Über die aufständischen Bauern schwebt eine Frau mit einer Fackel, wie eine mythische Rachegöttin.

Käthe Kollwitz, Aufruhr, 1899, Städel-Museum, Frankfurt. (PDM 1.0)

Bereits 1903 arbeitete sie parallel zum „Bauernzyklus“ auch an dem folgenden Blatt, wobei sie ihren siebenjährigen Sohn Peter vor einem Spiegel auf dem Arm hat. Ihr älterer Sohn glaubt, dass sie bereits damals den späteren Tod seines Bruders geahnt hat, wie der Begleittext des Kölner Museums ausführt. Geheiratet hatte sie 1891 den Arzt Karl Kollwitz in Königsburg.

Käthe Kollwitz, Frau mit totem Kind, 1903, Käthe-Kollwitz-Museum, Köln. Eigenes Bild (CC BY-NC-SA 4.0).

Anfang des 20. Jahrhunderts stabilisierte sich ihre künstlerische Position. Sie wurde Mitglied der Berliner Secession, die als einzige Künstlergruppe auch Frauen aufnahm. Ab 1912 war sie Vorstandsmitglied.

Ab 1901 war sie mehrfach in Paris, wo sie sich an Ausstellungen beteiligte, ebenso, wie auch in London. Während einer zweiten Parisreise lernte sie Rodin kennen und beteiligte sich 1905 an des Pariser Salon des Indépendants, zusammen u.a. mit Seurat, Cézanne, Gauguin und Matisse. 1913 war sie Mitbegründerin und Vorsitzende des Frauenkunstverbandes.

Zwischen 1913 und 1915 arbeitete sie an der Skulptur „Liebesgruppe“, die sie 1916 in der Freien Secession ausstellte, wo sie vom Publikum abgelehnt wurde. Die größere Figur der Frau hält die kleinere, den Mann, auf dem Schoß, wie eine Mutter ihr Kind, was nicht dem damaligen Rollenverständnis entsprach. Diese Plastik scheint aufgrund der Ähnlichkeit die spätere „Pietà“ vorweg zu nehmen.

Käthe Kollwitz, Liebesgruppe, 1913-1915, Neue Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin / Andres Kilger. (CC BY-NC-SA 4.0)

1914 fiel ihr Sohn Peter in Flandern. Ihre Arbeiten beinhalteten danach pazifistische Sujets, sie gestaltete Plakate mit humanitären Inhalten für die SPD und die KPD und weitere Vereinigungen und Gewerkschaften. Für ihren gefallenen Sohn begann sie 1914 mit der Arbeit an der Skulptur „Trauerndes Elternpaar“, die sie 1932 fertigstellte.

Die Skulptur „Mutter mit totem Sohn“, auch “Pietà“, fertigte Kollwitz 1937 bis 1939 an, als Auseinandersetzung mit dem Tod ihres Sohnes Peter. Trotz der naheliegenden religiösen Interpretation, äußerte sich Kollwitz in einem Tagebucheintrag vom Dezember 1939, (Käthe Kollwitz, Tagebuchblätter und Briefe, hrsg. v. Hans Kollwitz, Berlin 1948, S. 111) folgendermaßen: „„Meine Mutter bleibt im Sinnen darüber, dass der Sohn nicht angenommen wurde von den Menschen. Sie ist eine alte einsame und dunkel nachsinnende Frau“.

Käthe Kollwitz, Pietà (Mutter mit totem Sohn), 1937-1939. Eigenes Bild (CC BY-NC-SA 4.0)

Die kleine Plastik wurde auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl in einer vierfach vergrößerten Ausgabe durch Harald Haacke in der zu einer Gedenkstätte umgewidmeten Neuen Wache in Berlin aufgestellt. Obwohl Kohls Einstellung, dass diese Skulptur den Ausdruck universeller Trauer sichtbar mache vom Publikum verstanden und geteilt wurde, gab es deutliche Kritik. Ein Werk, dass als Pietà für die trauernde Mutter Gottes stehe sei ein christliches Denkmal, das die Millionen getöteter Juden ausschließe. Der Zentralrat der Juden setzte eine Metallplatte durch, auf der alle Opfergruppen aufgeführt sind.

Nach dem Krieg suchte man einen geeigneten Ort für eine Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Hans Kollwitz, der Sohn, schlug vor, Kopien der beiden Skulpturen am Grab des gefallenen Bruders in Belgien für eine solche Gedenkstätte anzufertigen. Der Kriegsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge plädierte unter anderem für Köln als geeigneten Ort. Mit der Anfertigung der leicht vergrößerten Kopien wurde Ewald Mataré betraut, der die konkrete Ausführung seinen beiden Schülern Erich Heerich und Joseph Beuys übertrug. In Belgien kniet das Elternpaar parallel vor dem Gräberfeld auf dem ihr Sohn beigesetzt wurde, in der Kirchenruine Alt St. Alban in Köln leicht zueinander gewandt. Zu sehen sind sie durch ein vergittertes Portal in einiger Entfernung innerhalb der bewusst als Ruine belassenen Kirche.

1921 wird ihr erster Enkel geboren, der nach ihrem gefallenen Sohn Peter benannt wird. Auch er fällt 1942 an der Ostfront.

Nach Ende des Krieges wird sie als erste Frau ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und gleichzeitig zur Professorin ernannt. Künstlerisch und politisch wird Kollwitz‘ Engagement immer deutlicher, sie setzt sich für Menschenrechte ein. Von den Arbeiten Ernst Barlachs angeregt wendet sie sich dem Holzschnitt zu, und führt in dieser Technik einen ihrer ersten Drucke das „Gedenkblatt für Karl Liebknecht“ aus.

Käthe Kollwitz, Gedenkblatt für Karl Liebknecht, Holzschnitt, Dritte Fassung 1920, Städel, Museum, Frankfurt am Main. (PDM 1.0)

Auch wenn später versucht wurde das Blatt als Geburtsurkunde des sozialistischen Realismus zu vereinnahmen, stand sie Liebknechts politischer Einstellung kritisch gegenüber. Für sie war Trauer das beherrschende Thema dieser Arbeit. 1924 beauftragte sie der Internationale Gewerkschaftsbund ein Plakat zum Antikriegstag anzufertigen.

Käthe Kollwitz, Plakat »Die Überlebenden«, 1923, Städel Museum, Frankfurt am Main. (PDM 1.0)

Das emblematische Plakat „Nie wieder Krieg“, das die Friedensbewegung nach dem in den 1970er Jahren wieder aufgriff, entstand 1924 für den Mitteldeutschen Jugendtag der sozialistischen Arbeiterbewegung.

Käthe Kollwitz, Nie wieder Krieg, 1924, Käthe-Kollwitz -Museum, Köln. Eigenes Bild (CC BY-SA 4.0)

1933 musste Käthe Kollwitz aus der Preußischen Akademie der Künste austreten. 1936 wurden ihre Arbeiten aus zahlreichen Museen und Sammlungen als „Entartete Kunst“ entfernt und beschlagnahmt. Zur Verwertung wurden sie über mehrere Kunsthändler internationalen Märkten zugeführt. Trotz aller widrigen Umstände konnte sie relativ unbescholten an ihrem Alterswerk weiterarbeiten, bis sie Ende 1940 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

1943 wurde sie infolge eines Bombenangriffs obdachlos, woraufhin ihr 1944 von Ernst Heinrich von Sachsen 1944 ein Gebäude in Moritzburg zur Verfügung gestellt wurde. Dort starb sie kurz vor Ende des Krieges. 1955, am Todestag der Künstlerin wurde in dem Gebäude Das Käthe-Kollwitz-Haus als Museum eröffnet.

Käthe Kollwitz ist unwidersprochen eine große Künstlerin, aber wie kam es zu diesem Museum in Köln und dann auch noch von einer Kreissparkasse initiiert? Hans Pels-Leusden war ein Berliner Maler, Antiquar und Kunstsammler. Seine eigenen Arbeiten fielen dem Nationalsozialismus zum Opfer. Als Kunsthändler erwarb er eine Sammlung von Kollwitz-Werken. Dies war der Grundstock für das Berliner Käthe-Kollwitz-Museum.

Ein großer Teil seiner Sammlung stand aber immer noch zum Verkauf. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum war finanziell nicht in der Lage, die angebotene Sammlung vollständig zu erwerben, zumal der Fokus des Museums nicht auf neuerer Grafik lag.

1976 wurden von der Kreissparkasse Köln zwei Lithographien für die Kundenhalle erworben. 1983 übernahm die Kreissparkasse 60 Zeichnungen aus der Sammlung von Hans Pels-Leusden. Dieser Grundstock wurde systematisch weiter ausgebaut. Die Chefetage wurde zur Ausstellungsfläche. Historisch gab es wohl Bezüge zum deutschen Sparkassenwesen, das Anfang des 19. Jhd. anstrebte, die Notlage der ärmeren Bevölkerung durch Ermunterung zum Sparen zu lindern. Diese Klientel war aber auch Gegenstand der Arbeiten von Kollwitz. Die Erbengemeinschaft Kollwitz hat eine ständige Erweiterung der Sammlung vereinbart, Frau Dr. Jutta Bohnke-Kollwitz, die Enkelin der Künstlerin und Gründungsleiterin des Museums hat in ihrer Rede zum 20-jährigen Jubiläum die Zufriedenheit über die Zusammenarbeit herausgestellt, zumal das Urheberrecht 2015 erlöschte und das Museum die Rechte verantwortungsvoll verwaltet.
https://www.kollwitz.de/

Mit dem Eintrittspreis ab 1994 wird übrigens das Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg unterstützt.
https://kollwitz-moritzburg.de/

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