Warum ich Blogs schreibe

Wie ich zur Kunst gekommen bin, weiß ich selber nicht so genau. Ich bin wohl ziemlich aus der Art geschlagen. Vielleicht ein eher zufälliger Besuch einer Rosenquist-Ausstellung, ein Jahr nach dem Tod meines Vaters. Riesengroße, knallbunte Popart-Bilder, in der immer noch grauen und miefigen Atmosphäre der Nachkriegs- Wirtschaftswunderzeit. So etwas gab es auf der Welt, Freiheit durch Farbe, Sprengung von traditionellen Größen!

James Rosenquist, F-111, 1964/65, Museum of Modern Art, New York. Bild: rebecca marks, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein zweiter Impuls, vielleicht ebenso vielleicht, ein Jahr später bei einer Sprachreise nach Frankreich wegen meiner katastrophalen Französischkenntnisse. Eine Picasso-Ausstellung im Papstpalast in Avignon, 1973. Gezeigt wurden die späten Bilder, darunter sein letztes, das noch nicht ganz trocken, aufgehängt wurde. Mit diesem Picasso konnte ich damals nichts anfangen. Fasziniert aber war ich von dem Kontrast, bzw. Zusammenspiel dieser ebenfalls sehr bunten Bilder, die sich trotz ihrer relativ geringen Größe gegen die riesigen sandfarbenen Wände des Ausstellungssaales behaupteten.

Pablo Picasso im Papstpalast in Avignon, 1973. Fotograf unbekannt.

Ich verteile hier mal einige Arbeiten von früher und später. Blicke zurück als Motivation für Neues.

Strandläufer

Konsequenterweise kommt man mit einem Lehramtsstudium an eine Schule, auch wenn man eigentlich noch etwas anderes probieren wollte. Diese Arbeit faszinierte mich zunehmend. Da saßen junge Menschen, die mir nicht nur zuhören mussten, sondern irgendwann auch wollten. Wissen über Fakten und Anekdoten aus der Welt der Kunst und aus Frankreich, dessen Sprache und Kultur sich mir erst während eines Lebens und Arbeitens dort erschloss, waren mein Material. Ich befreite mich immer mehr, soweit es vertretbar war, von Zwängen und Vorschriften, begann meine Arbeit im Sinne eines guten Zitates aus einer schlechten Serie, „Ich unterrichte Schüler, keine Kunst“. Mein Monolog wurde zum Dialog, mein Unterrichten zum Erzählen, eine sehr ruhige und für alle Seiten zufriedenstellende Phase begann und hielt bis zum Schluss. So war’s!

A rose is a rose was a rose (Nach Gertrude Stein)

Ein abrupter Bruch erfolgte aus privaten und gesundheitlichen Gründen. Die Beschäftigung mit medizinischen und therapeutischen Notwendigkeiten und dem bisschen Haushalt (erinnert sich noch jemand an Tana Schanzara?) ließen wenig Platz für ein Loch zum Hineinfallen.

Ich begann Blogs auf einer anderen Plattform zu schreiben für interessierte Leser:innen, die häufiger kommunizierten, als bis jetzt hier.

Der heilige Bimbam

Ich zog mich zwischenzeitlich dort zurück, bastelte an diesem Blog bei WordPress mit dem Untertitel „Erzählen über Kunst“. Es wurde etwas ruhiger, weil ich über den Kulturblog „Der Leiermann“ aus Österreich, bei dem ich auch einige Beiträge einstellte, mit der Relevanz von Bildrechten konfrontiert wurde und seitdem die meiste Zeit mit buchhalterischer Recherche verbracht habe. Mittlerweile klappt das besser, so dass jetzt auch Neues erscheint.

Eiszeit

Meine ursprüngliche Idee war, mich auf der ersten Plattform eine Zeit lang freizuschreiben und es dann einschlafen zu lassen. Dann aber kamen meine Leser, die meine Blogs mit Interesse, Sachverstand und Neugier begleitet haben. Für mich ist ein Blog idealerweise sowieso das Zusammenspiel des eingestellten Textes mit den Kommentaren dazu, was mir hier bis jetzt fehlt. Dann erst ist ein Blog fertig und aus meinem Monolog ist ein Dialog geworden, wie früher in meiner Arbeit. Ich erkenne keinen vernünftigen Grund, dieses Ziel aufzugeben. Ich schreibe beide Blogs mehr oder weniger parallel, hier etwas ausführlicher.

Matt in drei Zügen

Meine Art zu schreiben hat sich in der letzten Zeit verändert. Schrieb ich am Anfang von Werken, die ich mochte, die ich mir bereits auf irgendeine Weise zu eigen gemacht hatte, so dass ich sie erzählerisch weitergeben konnte, ging ich dann auf für mich noch weitestgehend unbekanntes Terrain. Negativ war das nicht, denn ich lernte selber Neues kennen (auch wenn es schon alt war) und erschloss mir neue Bereiche. Allerdings erinnerte mich das an meine Lehrerzeit, wo ich mir z.B. in der fachfremden Mathematik die Inhalte nach aktuellem Bedarf aneignete. Da hat das ja durchaus gereicht, die Bücher machten ja die Vorgaben. Aber für Kunst hatte ich einen anderen Anspruch, da konnte man mäßig interessierten Schülern nicht mit wahnsinnig „wichtigen“ Inhalten kommen, da musste man persönlich werden. So wie hier am Anfang. Da möchte ich wieder hin. Ich möchte die Inhalte erst eine Zeit lang verdauen, ehe ich sie weitergebe und nicht mehr so sehr Wikipediainhalte referieren. Den Unterschied sieht man in meinem Blog über den Symbolismus zwischen Moreau, von dem ich noch kaum etwas wusste und einem meiner Lieblingsmaler Böcklin, dem ich ein über halbes Leben lang immer wieder freudig begegnete. Seinen Bildern natürlich!

Nouvele Vague (Neuanfang mit Aquarellversuchen)

7 Antworten auf “Warum ich Blogs schreibe”

  1. warum ich Blogs schreibe:n kann, weiss ich kaum, denn diese Blogger-Welt hier erschliesst und öffnet sich für mich bislang zu wenig, weshalb ich diesen Kommentar versuche zu schreiben. Es entfaltet kaum die Dynamik, welche vermutlich zum Weiter-Bloggen gewünscht wird. Aus diesem Grund werde ich vermutlich kaum weiter bloggen, sondern einfach schreiben

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  2. Ich habe Freunde, die die Oberflächlichkeit der Blogs kritisieren, für sie ist das kulturelles Junkfood. Ich nehme das in Kauf, weil ich Lehrer war und ich sowieso nicht alle furchtbar wichtigen Informationen vermitteln konnte. Dort entwickelte sich Dynamik aus dem sozialen Gefüge einer Klasse heraus. Bei Blogs sehe ich die Möglichkeit, über Kommentare zu einem Austausch zu gelangen, ein wenig wie Volkshochschule auf der Basis von Neugier und Interesse. Kunst lehren kann man nicht. Deswegen versuche ich, zu erzählen und die Erzählungen lesenswert zu machen.
    Aber du hast recht, jeder Beitrag verlangt einen nächsten.
    Ich denke Schreiben ist Kommunikation und muss irgendwo ankommen. Deswegen bleibe ich bei Blogs. Bücher lassen mir weniger Freiheiten.

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  3. Interessant, dass du Freunde hast, die die Oberflächlichkeit der Blogs kritisieren und für des es das kulturelle „Junkfood“ ist. ((erinnert an die Bastei- Romane, die es an jedem Kiosk oder die Fotokopien (graue Literatur, die es in den 70iger Jahren in jedem Foyer einer Universität zu kaufen gab) – Egal: Wir nehmen dies «vermutlich» in Kauf, du, weil du Lehrer warst, sowieso nicht alle furchtbar wichtigen Informationen vermitteln konntest. Dort entwickelte sich Dynamik aus dem sozialen Gefüge einer Klasse (Jahrgang) heraus. Bei Blogs siehst du die Möglichkeit, über Kommentare zu einem Austausch zu gelangen: deshalb habe ich mir auch erlaubt zu kommentieren (einige verhindern dies ja rigoros). Keine Ahnung, ob es ein wenig wie Volkshochschule auf der Basis von Neugier und Interesse wirkt: auch Egal: Kunst lehren kann man nicht und Kunst vermitteln auch nicht. Deswegen versuchst du, zu erzählen und die Erzählungen lesenswert zu machen, welches dir glückt, da ich diese kommentiere.
    Aber du hast recht, jeder Beitrag verlangt einen nächsten.
    Du denkst Schreiben ist Kommunikation und muss irgendwo ankommen. ((Die Kommunikation kommuniziert)). Deswegen bleiben wir bei Blogs. Bücher lassen dir angeblich weniger Freiheiten. // Ich mag Bücher, ihr Gewicht in Händen halten, ihren Geruch und ja, ihre Gebrauchsspuren sowie die Notizen und Zeichen am Rand oder direkt im Text. Deshalb hab‘ ich vermutlich auch eines auf die Kunstreise abgesandt. Parallel – an mehrerem – zu schreiben und ja zu “basteln“ – werkeln – „zu schaffen“ – zu experimentieren und immer wieder zu probieren. Mit dem *Text:en, welches heute möglich ist und wird «Jargon der Eigentlichkeit» : https://kunstderkunsttherapie.com/ueber_kleines_rotes_buch/, dies eröffnet für mich und dich zudem Freiheit: Teilgaben und Teilnahmen an verschiedenen und sehr unterschiedlichen «Formaten» sowie #Form:en der Kunst

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