Zettel

„Leaving the note that she hoped would say more”, Beatles, She’s leaving home

Mein erster Zettel: Taschen­buchcover 1964, gelesen 1973 in der Sonne.

Immer wieder juckt mich mal der Schreib­finger. In einigen sozialen Medien habe ich nicht nur interessante Menschen kennen gelernt, sondern auch vieles gelesen, was mich sehr bewegt hat und einiges, wo ich mich regel­recht weggeworfen habe vor Lachen. Wer hätte das gedacht, Biotope für Kabarettisten.

Jetzt hat Schreiben nicht für jeden etwas Positives. Schule, Üben, Strafarbeit, das ist so ein Kapitel, ist aber erledigt. Dann der kreative ZettelMann, der schreibt was Wichtiges auf, weiß aber nicht mehr was daran wichtig war. Oder kann es auch gar nicht mehr lesen. Oder verliert den Zettel.

Zettel sind das Ordnungssystem schlechthin. Kaum benutzt man sie, entsteht das Chaos.

Eine Freundin schreibt grundsätzlich immer „Marzipankartöffelchen“ auf, weil sie das Wort so schön findet, statt zum Beispiel „Süßkram“. Man würde aber auch sonst ins falsche Geschäft gehen. Jedenfalls war der Zettel dann zu klein, sperrt sich gegen die Ästhetik der Worte.

Manchmal schreibe ich auch nur PQ, wie die Franzosen, aber ich möchte hier nicht sagen, was das heißt.

(Falls jemand raten möchte, hier ein kleiner Tipp von Duchamp, sieht aus, wie ein Zettel:))

Marcel Duchamp, 1919, L.H.O.O.Q
Marcel Duchamp 1887-1968, dadart.com

Poesie muss nicht immer lang sein – das muss reichen!

Ein Freund hat mal versucht, seine Waren so auf das Einkaufsband zu legen, dass die Artikel nachher ein Gedicht ergaben. Zettel ohne Zettel. Da reimt sich was nicht – Mist, die Butter vergessen.

Dann wird der Zettel kultiviert, beginnt als Block, wird geordnet, beschriftet, manch­mal klebt er hinten. Manchmal klebt er auch auf der Seele und geht nicht mehr ab. Einkaufszettel, „To-do-Listen“, Zettel auf dem Frühstückstisch – bin schon mal weg, einen schönen Tag, denkst du bitte dran, den Papagei zur Sprachschule zu bringen, – Das Klofenster war wieder auf!, – Milch holen! Abstufungen von Beziehungsintensi­tät, zwischen liebevoll und lieblos, Experimentieren mit Nachdruck und Effektivität. Reduzieren von Überflüssigem.

Alles Wichtige aufgeschrieben und dann der Zettel vergessen.

Zettel, Mittel der Ordnung oder der geistigen Unordnung, der Phantasie. Zettel und Mensch, wie bei manchen Internet-Portalen, manchmal reine Poesie,… meist aber….Moment, ich muss es hier irgendwo aufgeschrieben haben…

L’exceptionnel placard, n°18 d’« A l’ombre des jeunes filles en fleurs » [1914-1919], de Marcel Proust, presque entièrement manuscrit, a été vendu 111 000 euros chez Sotheby’s

Der Zettelkasten von Luhmannn wird ausgestellt (2015).

Niklas Luhmanns Zettelkasten, Detail,
       © Kunsthalle Bielefeld

Verdammt, wo habe ich denn…. – steht ja alles drauf! Doch das kann ich so lassen.

  1. Monsieur,

    das beste was ich je von dir gelesen habe:)))). Du solltest „zurückkommen“ und der Blog Bereich wäre dein – allein.:)).
    Aber ich finde deine Werke ja überall, also ein Bonbon für mich. :))
    Dein Humor und deine besondere Schreibe sind einfach ein großer Lesegenuss! Und gerade heute habe ich es besonders genossen.

    Bitte weiter so!

    Lieber Gruß
    Maluma

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