Cézanne

Paul Cézanne hat von 1839 bis1906 gelebt. Seinen Namen werden wohl viele schon einmal gehört habe und einige werden auch ein paar Bilder vor Augen haben. Vermutlich aber nicht die aus seinen frühen Jahren (bis ca. 1871), in denen er zuerst der Romantik zugeordnet wurde. Danach, (bis ca. 1882) öffnete er sich für den Impressionismus, fand aber dort bis auf Pissarro wenig Anklang mit seinen Arbeiten.

Je ein Beispiel für die beiden Phasen.

Erst danach wurde er ein wichtiger Vorreiter auf dem Weg zur Moderne. Zunächst entwickelte er sich zu dem Maler, dessen Bilder wir kennen. Eins der bekanntesten ist der Junge mit der roten Weste, das nach einem Kunstraub wiedergefunden wurde.

Paul Cézanne, Der Knabe mit der roten Weste, 1888–1890, Stiftung Sammlung
E. G. Bührle, Zürich
Schweiz.

Hier erkennt man Cézannes neue Arbeitsweise, die er auch mit Theorien untermauerte. Er löst sich von der, auch noch im Impressionismus beibehaltenen Form der räumlichen Gestaltung und anderen ihrer Vorgaben: «Das Licht ist etwas, was nicht wiedergegeben werden kann, es muss folglich durch etwas anderes, durch Farben dargestellt werden. Ich war nicht wenig stolz, als ich das entdeckt hatte!» (zitiert nach webarchive.org). Dabei wandte er sich weitestgehend von der Raumillusion mittels Perspektive ab und setzte, zunächst von der Verteilung der Farben ausgehend, die Gestaltung von Flächen dagegen. Eine räumliche Wirkung erreichte aber trotzdem durch die Anordnung der Flächen, sowie mit Farbkontrasten. In einem Brief an Joachim Gasquet schrieb er: «Die farbigen Flächen, immer die Flächen! […] Ich entwerfe meine Flächen mit meinen Farbabstufungen auf der Palette. […] Die Flächen müssen deutlich in Erscheinung treten. Deutlich […] aber sie müssen richtig verteilt sein, ineinander übergehen. Alles muss zusammenspielen und doch wieder Kontraste bilden. Auf die Volumen allein kommt es an» (Ebd.).

Das gilt auch für sein häufig gemaltes Motiv, den Mont St. Victoire, den er von seinem Atelier in Aix-en-Provence aus sehen konnte. Hier eine späte Fassung. Die Formen sind anhand der Flächen erkennbar, ohne Details aufzuweisen. Die räumliche Wirkung entsteht zwischen dem Komplementärkontrast von Blau und Orange.

Paul Cézanne, Mont St. Victoire, 1885, Philadelphia Museum of Art, USA
(The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei)

Außer diesen Landschaftsbildern malte Cézanne auch zahlreiche Stillleben. Èmile Bernard beobachtete und beschrieb Cézannes Arbeitsweis dabei. Cézanne begann damit, einzelne Farbflecken auf der Leinwand zu verteilen, die er weiter übermalte bis sich die Gegenstände und ihr Volumen herauskristallisierten. (Émile Bernard: Gespräche mit Cézanne, Diogenes Verlag AG Zürich, 1982, Michael Doran (Hrsg.) S. 80–81.) Diese Arbeitsweise war recht langwierig. Cézanne ging es dabei nicht vordergründig um die abgebildeten Gegenstände, „sondern um die Anordnung von Farben und Farben auf der Fläche“ (Wikipedia). Über eines der bekanntesten Stilleben schreibt das MuséeD’Orsay, dass es aus seiner reiferen Periode stammt und dort einen zentralen Platz einnimmt.

Paul Cézanne, Äpfel und Orangen, ca. 1899, © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt. (OA)

Bei dem Bild „Bucht von Marseille“ kann man recht deutlich erkennen, dass Cézane die Farbflächen der Häuser zu den Rändern hin im Farbton geändert hat, meist werden sie etwas dunkler, was nicht immer nur vom Schatten herrührt. Die Farbflächen haben keine Begrenzungen, keine Konturen, die sie abschließen. Zwar bilden Zeichnungen die Grundlage für die Bilder Cézannes, doch werden sie so übermalt, dass Farbe direkt an Farbe grenzt. Deswegen werden die Ränder deutlicher hervorgehoben. Cézanne malt so, was das Auge eigentlich nicht sieht, aber sehen will, das heißt, er bringt die Erfahrung des Sehens durch diese Technik zu der reinen Oberflächlichkeit, auf die er sich ja beschränken will, hinzu. Cézanne sprach bei der Gestaltung lieber von modulieren als von modellieren. Ausgangspunkt der Farbmodulation bildet die Erkenntnis innerhalb der Malerei, «dass Licht kein „Ding“ ist, das reproduziert werden kann, sondern das aus koloristischer Sichtweise mittels Farben dargestellt werden muss.» (Ebd. S. 54 ff.)

Paul Cézanne, die Bucht von Marseille, von L’Estaque aus gesehen, 1885, Art Institute of Chicago, USA. (CC0)

Obwohl Cézanne auf die traditionellen Mittel für eine räumliche Wirkung, Perspektive und weitestgehend auf Luftperspektive, verzichtet, schafft er doch den Eindruck von Räumlichkeit durch den farblichen Kontrast zwischen Vorder- und Hintergrund. Gegenüber dem Sammler Karl Ernst Osthaus betonte Cézanne dass die Hauptsache in einem Bild das Treffen der Distanz sei. Die Farbe müsse jeden Sprung ins Tiefe ausdrücken. Daran sei das Können des Malers zu erkennen. (Vgl Götz Adriani: Cézanne. Aquarelle, S. 67)

Die „Moderne“ ist ein Epochenbegriff und kommt im allgemeinen Verständnis bisweilen in Konflikt mit dem, was man „modern“ nennt. In der Geschichte ist der Beginn der Modene auf das Jahr 1848 mit seinen Revolutionen gesetzt, in der Kunst ist der Übergang kontinuierlich. Bei Jean François Millet wurden erstmalig Arbeiter auf dem Feld gezeigt, die Impressionisten entdeckten das Licht als Gesaltungsmittel, Cézanne wiederum ersetzte es durch Farben auf Flächen und der Kubismus löste sich deutlich von der Wiedergabe der sichtbaren Realität. Dadurch wird die Kunst der Moderne bis heute für das Publikum immer schwerer zugänglich.

Aus diesem Grund möchte ich zum Schluss kein Bild von Cézanne zeigen, sondern von Georges Braque, in der Hoffnung dass der Begriff der Moderne von seine Anfängen ausgehend nachvollziehbarer wird. Es zeigt die Häuser von Estaque, also des Ortes von dem aus Cézanne die Bucht von Marseille malte. Übrigens war es dieses Bild, das den Namen Kubismus begründet hat, ein ironisch gemeinter Begriff, der sich an Bauklötze für Kinder anlehnt, ein Zeichen für das Unverständnis der Kritiker. Cézannes Grundlage für den Kubismus ist hier noch deutlich zu erkennen, finde ich.

Georges Braque, Die Häuser von Estaque, 1908, Kunstmuseum Ben, Schweiz.
(CC BY-NC-SA 2.0 by segnalazioni – archivi)

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