Jugendstil – Art Nouveau

Eingang zu der Metrostation Abbesses, Paris, unter dem Hügel von Montmartre. Bild: via Wikimedia, Paris 16, Wikimedia. (CC BY-SA 2.0)

Mit dem Jugendstil bringen die meisten wohl nicht direkt die Malerei, sondern eher Design und Architetektur in Verbindung. Dort entwickelte der Jugendstil inhaltlich, aber natürlich nicht formal, die gleichen Vorstellungen wie später das Bauhaus. Die kunstvollen Eingänge der Pariser Metrostationen, die um 1900 in mehreren Etappen gebaut wurden, gehören mit zu den bekanntesten Beispielen. Sie sollten freundlich und einladend wirken. Beauftragt damit wurde Hector Guimard, der zuvor bereits in Caen eine Haltestelle entworfen hatte. Die geschwungenen floralen Formen an diesen Eingängen sind typisch für das Design aller Bereiche und auch für gemalte Bilder. Man orientierte sich an den Formen der Natur. Mit dem Ziel Kunst und Leben verschmelzen zu wollen, erklärt sich von selber, dass diese Vorstellung des Jugendstils sich auch in Alltagsgegenständen zeigte, genau wie im Bauhaus. Alltägliche Gegenstände sollten nicht nur nützlich sein, sondern auch angenehm in Form und Handhabung sein. Auch das Bauhaus beschäftigte sich nicht nur mit Architektur und Design, sondern auch mit Kunst, vertreten z.B. durch Itten, der durch seinen Farbkreis bekannt wurde, sowie u.a. Kandinsky, Klee und Feininger. Um es kurz zu machen, es gibt durchaus auch Maler im Jugendstil und einige werden hier vorgestellt. Die Bezeichnung für diesen Stil lautete in Frankreich « Art Nouveau ». Der deutsche Namen leitete sich vom Titel der Zeitschrift »Jugend« ab, die, wie auch die ganze Kunstrichtung, die Abwendung vom Historismus aller gestalterischen Werke zum Ziel hatte. Der Jugendstil verlief zeitlich weitestgehend parall zum »Symbolismus«, mit dem es auch inhaltlich Überschneidungen gab.

Gustav Klimt (1862 – 1918) ist natürlich bekannt aufgrund seines Kussbildes, mit dem ich mich im Juli wegen der deutlichen Unterordnung der Frau kritisch auseinendersetzte. (Kunst und Küsse) Auch an seiner Lebensweise mit mehrere Modellen zeigten sich herausgenommene Freiheiten, die schwer zu akzeptieren sind. Wie schon bei Nolde folge ich meinem Entschluss, das Werk eines Künstlers nicht aufgrund seiner Lebenseinstellungen negativ zu sehen. An dem erotischen Schwerpunkt dieses Malers jedoch kommt man schwerlich vorbei. Allerdings gestand er seinen Frauen eine aktive Rolle in der Sexualität zu.

Klimts künstlerische Tätigkeit begann mit Wand- und Deckengemälden. Dabei wich er bald von traditionellen Ausdrucksweisen ab, was nicht immer die Zustimmung der Auftraggeber fand. 1905 zeigte er in einer Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes 15 Gemälde. Zwischen 1900 und 1910 erweiterte er experimentell seine künstlerischen Möglichkeit, er verwendete Blattgold für seine Arbeiten. Eines der Schlüsselwerke aus dieser Zeit ist neben den »Kuss« das Portrait von Adele Bloch-Bauer. Die Bilder aus dieser Phase überlagern in dem Grad ihrer Bekanntheit Klimts Arbeiten ab 1911.

Die Zugehörigkeit zum Jugendstil lässt sich nicht immer direkt an seinen Arbeien ablesen, aber die Verbundenheit mit der Natur kann man ihm nicht absprechen. Zusätzlich malte er während seiner Aufenthalte am Attersee zahlreiche Landschaftsbilder. Spontan kann ich damit wenig sehen, was dem Jugendstil zugeordnet werden könnte, beziehe mich aber auf das Bild »Der Tannenwald«, das mich besonders anspricht. Die vielen Bilder mit Blumen sind natürlich ausgesprochen floral.

Der Engländer Aubrey Beardsley (1872 – 1898) hatte bereits an der Grundschule seine Lehrer karikiert und wurde in der Schulzeitung publiziert. Eine kurze berufliche Phase musste er wegen seine schweren Lungenerkrankung aufgeben, während der er jedoch weiter zeichnete. Der Präraffaelit Edward Burne-Jones ermöglichte ihm eine professionelle Ausbildung. Über eigenes Engagement und Zufälle, die darauf beruhten, wurde er immer bekannter. Zunächst fertigte er eine Zeichnung zu Oskar Wildes »Salome« für die französische Ausgabe an, wodurch Wilde auf ihn aufmerksam wurde und ihn für die englische Ausgabe gewann.

Wie viele andere hatte er den Einfluss japanischer Holzschnitte in seine Gestaltungen aufgenommen, was Wilde allerdings nicht gefiel. Er wurde in der Zeitschrift »The Yellow Book« veröffentlicht, wo er bereits sehr deutliche Erotikdarstellungen publizierte, die ihm viel Kritik einbrachten, ihn aber auch regelrecht berühmt machten. Das Bild unten liefert ein Beispiel. Es stammt aus der Sammlung des Victoria and Albert Museums, auf dessen Homepage noch mehrere Werke zu sehen sind. (Verlinkt ist die Seite 3: https://collections.vam.ac.uk/search/?q=Beardsley&page=3&page_size=15.) Das Gleiche wiederholte sich bei einer anderen Zeitschrift, »The Studio«. Beardsley erlag mit 26 Jahren seiner Krankheit. In der kurzen Spanne seiner schöpferischen Zeit von 6 Jahren fertigte er über 1000 Zeichnungen an.

Lysistrata verteidigt die Akropolis, 1929, © Victoria and Albert Museum, London. Freigeben für nicht kommerzielle Nutzung Weitere Zeichnungen finden sich in dem Onlineauftritt des Viktoria and Albert Museums.

Otto Eckmann (1865 – 1902) arbeitete wie Beardsley nur im zweidimensionalen Medien. Zunächst arbeitete er im Stil der englischen Präraffaeliten, die bisweilen ebenfalls dem Jugendstil zugeordnet werden, aber eher eine eigene Stilrichtung schufen. Der von dem Maler und Grafiker gepflegte florale Stil ist ein ganz eindeutiges Kennzeichen des Jugendstils. Er entwarf Titelbilder u.a. für die Zeitschrift »Jugend«, die dem Jugendstil seinen Namen gab.

Egon Schiele (1890 – 1918) wurde von seinem Vormund gefördert, nachdem sein Vater verstorben war. Der Weg zur Kunst stand ihm dadurch offen. Er studierte an der Wiener Akademie der Künste, die er nach schon zwei Jahren wegen des konservativen Kunstverständnisses wieder verließ und gründete mit anderen die »Neukunstgruppe«. Schiele lernte Gustav Klimt kennen und lehnte sich an dessen Stil an. In dieser Phase, von ca. 1907 bis 1910, war er ein Vertreter des Jugendstils. Mit seinem späteren Werk wird er dem Expressionismus zugerechnet. Bekannt wurde er durch seine freizügigen erotischen Darstellungen, die zunächst heftige Kritik beim Publikum auslösten. Das Bild unten zeigt Gerti, seine Schwester. Schieles Vater vermutete, dass er ein inzestuöses Verhältnis mit ihr hatte.

Seine Tuberkuloseerkrankung führte zu einer beständigen Auseinandersetzung mit dem Tod, aber ebenso zu einem trotzigen Lebensdurst, welcher sich in erotischen Bildern manifestierte. Von dem 1816 verstorbenen Klimt fertigte er in dem Sterbezimmer drei Zeichnungen an. Schiele verstarb 1928 mit 28 Jahren an der Spanischen Grippe.

Einige Künstler werden sowohl dem Jugendstil, als auch dem Symbolismus zugeordnet, was ein wenig Verwirrung stiftet. In der Tat existierten beide Richtungen zur gleichen Zeit und hatten ähnliche Schwerpunkte. Der Jugendstil arbeitete mehr im kunstgewerblichen Bereich und in der Architektur, obwohl er sich auch in der Malerei fand, wie man an diesen Beispielen hier sieht. Dort besetzte jedoch hauptsächlich der Symbolismus das Feld, mit dem Schwerpunkt, die Dinge neben der Realität, wie Legenden, Mythologie, Träume und ähnliches zu verarbeiten. Diese Beschreibungen lehnen sich an »EVA« in ihrem Blog »Burgenland« an, in dem sie auch des Symbolismus als Nebenlinie des Jugendstils sieht.

Franz von Stuck (1863 – 1928) ist so ein Maler. Er wurde zunächst als Jugendstilmaler gesehen, weshalb z.B. auch seine Villa in München zunächst für das eingerichtete Museum »Jugendstilvilla« genannt wurde. Auch er trat in Opposition zu den traditionellen Positionen der »Münchener Sezession« bei.

Als Professor an der Akademie unterrichtete er u.a. Klee und Kandinsky. Durch Arnold Böcklin wurde er zur Umsetzung von Fabeln und Allegorien angeregt. Ein bekanntes Beispiel ist das Bild »Die Sünde«, eine erotische Frauendarstellung, wie sie Von Stuck zahlreich anfertigte, sehr zum Unwillen eines Publikums mit biederen Moraleinstellungen. Die Frau mit entblößter Brust ist umringt von einer Schlange, was an Eva denken lässt. Der dekorative, etwas flächige Stil lässt sich dem Jugendstil zuordnen, der thematische Inhalt dem Symbolismus. Von Stucks Bedeutung für den Symbolismus wurde erst Jahre später anlässlich einer Ausstellung neu bewertet, als eine in der Abfolge der Werke gelungene Inszenierung symbolistischer Ideen. Die Abbildung zeigt eine von mehreren ähnlichen Fassungen.

Franz von Stuck, Die Sünde. Alte Nationalgalerie, Berlin. Bid: jean louis mazieres, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)

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