…aber wahrscheinlich der berühmteste Hase in der Kunst, jede Confiserie, die etwas auf sich hält, bildet ihn in Schokolade nach, den Hasen von Albrecht Dürer.

Eine naturgetreue Darstellung des Tieres bis in die einzelnen Härchen des Fells, zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Aber warum?
„Der Feldhase wird in diesem Bild nicht als Attribut und wahrscheinlich ohne symbolische Bedeutung dargestellt, sondern dient allein der naturhaft dargestellten Präsentation“ (Wikipedia).
Die Kunst der Renaissance wendet sich von den Beschränkungen des Mittelalters ab, in denen der Transport eines meist religiösen Inhaltes wichtiger war, als eine möglichst genaue Darstellung. Diese war sogar unerwünscht, weil sie die Sinne ansprach, die als Einfallstore für die Sünde galten.
„Du musst wissen, schreibt Dürer, je genauer sich einer der Natur durch Nachahmung nähert, umso besser und künstlerischer wird sein Werk.“ (Erwin Panofsky, Das Leben und die Kunst Albrecht Dürers, München 1977, S 327)
Das sind die Voraussetzungen, aber noch immer nicht der Grund. „Der individuelle Kampf mit der Wirklichkeit“ des Künstlers benötigt das entsprechende Rüstzeug. Die Kunst sollte eine genaue Abbildung der Natur liefern und untersuchte deshalb das unter der Oberfläche liegende Geschehen, z. B. die Anatomie, um eine solche Abbildung gelingen zu lassen.

Dafür zuständig sind die Naturwissenschaften – die es zu jener Zeit aber noch gar nicht gab. Also musste die Künstler selber zunächst Naturwissenschaftler werden. Von hier aus gingen Impulse an die entstehenden neuen Wissenschaften, man denke nur an die Anatomiestudien von Leonardo Da Vinci.

Leonardo Da Vinci, The Principal Organs and Vascular and Urino-Genital Systems of a Woman, ca. 1507. Bild: Bild : http://david.reuteler.org/, http://www.drawingsofleonardo.org/
Neben einer naturgetreuen Abbildung auf der Basis der studierten inneren Struktur von Lebewesen, aber auch anderen Bildgegenständen, ist es vor allem die Entwicklung der optischen Perspektive, die als Errungenschaft der Renaissance hervorgehoben werden muss. Wir sehen sie auch in der diagonalen Darstellung des hockenden Hasen, dessen Blickrichtung von dieser Diagonalen Ausrichtung nicht abweicht. So entsteht eine relative umfassende Darstellung des ganzen Tieres, auch wenn nur ein Teil sichtbar ist.
Und was haben wir heute davon? Eine wunderbare Abbildung, die man nicht müde wird zu betrachten, einen kleinen Einblick in die Kunst der Renaissance und den Beginn der Naturwissenschaften. Interessant hieran finde ich die anfängliche Koppelung von Naturwissenschaft und Kunst, die bei genauerem Hinsehen bis heute andauert, denn wie sollten Wissenschaftler sonst zu Visionen kommen, die sie dann mit ihrer Arbeit zur Realität werden lassen?
Und, nicht zu vergessen, als Verbindung von Kunstfertigkeit und Geschmack, einen leckeren Schokoladenhasen.

Diesen Beitrag hatte ich leicht verändert bereits im April 2021 vorgestellt. Da sich Ostern aber jedes Jahr wiederholt wollte ich es mit diesem Blog auch einmal so machen, es muss ja nicht gleich jährlich sein!

Hallo Monsieur Quirit
schön, dass du den Blog nochmal eingestellt hast. Ich schätze deine Blogs sehr und freue mich, ihn ein weiteres Mal zu lesen. Dürer hätte sich sicherlich nicht träumen lassen, dass sein Feldhase und alle seine Gemälde auch noch im 21. Jahrhundert nichts an ihrer Faszination eingebüßt haben, dank seiner Fertigkeiten und Anatomie Kenntnisse.
Frohe Ostern
Maluma
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