Monet (2)

Drei Serien

1. Les meules (Getreideschober)
[Schober : Landwirtschaft, süddeutsch, österreichisch, ostmitteldeutsch: im Freien sorgfältig aufgesetzter Haufen von Getreide, Heu oder Stroh, der zum Schutz gegen Regen mit Stroh oder einer wasserdichten Decke abgedeckt ist. (Wiktionary)]

Solche Getreideschober gab es auf den Feldern neben Monets Grundstück in Giverny. Monet malte über 30 Bilder von diesen formlosen Gebilden. Er wählte sie wohl eben aufgrund dieser Formlosigkeit und der direkten Nähe zu seinem Haus als Motiv. Sein eigentliches Interesse galt den Unterschieden, die die Jahreszeiten und das wechselnde Licht auf diesen Gebilden hinterließen. Diese unbedeutenden immer gleichen Alltagsgegenstände waren Träger von einmaligen Ansichten, die die Jahreszeiten und das Licht schufen.

2. Die Kathedrale von Rouen

Wie bei den Getreideschobern hat Monet auch zahlreiche Bilder mit Ausschnitten der Kathedrale von Rouen gemalt. Und wie bei den Schobern galt nicht dem Gegenstand an sich sein Interesse, sondern den unterschiedlichen Eindrücken bei den verschiedensten Lichtverhältnissen im Laufe der Tage und der Jahreszeiten. Durch die große Ähnlichkeit sind die über 30 Ansichten etwas schwierig auseinanderzuhalten. Allerdings lassen sich verschiedene Ansichten den Orten zuordnen, von dem aus Monet malte. Das ist aber eigentlich nebensächlich, wenn man die Intention des Malers berücksichtigt. Die Lichtverhältnisse schufen ein jeweils anderes Motiv und Monet wiederholte hier noch einmal, das zu malen, was er angesichts des Motivs empfindet. Nur zwei dieser Bilder sind im Freien gemalt. Für die späteren musste er einige Male die Räumlichkeiten mit Blick auf die Kathedrale wechseln, was die verschiedenen Ansichten erklärt. Den Wechseln der Licht- und Wetterverhältnisse trug er Rechnung, indem er an mehreren Bildern parallel arbeitete, je nach den Lichtverhältnissen. Er datierte die meisten Bilder nach ihrer Fertigstellung in Giverny, so dass sie meist mit dem Entstehungsjahr 1894 versehen sind.

Die später hinzugefügte fälschliche Bezeichnung „Albanusturm“ für einige der letzten sechs Bilder kam aufgrund seiner Lage am „Albanushof“ zustande. Die Bilder sind noch stärker perspektivisch gehalten, als die anderen. Monet ging es aber nicht um Details, wie schon erwähnt.

Diese Art von Malerei entfernte sich noch weiter von der Wiedergabe der Motive, als die bisherigen modernen Ansätze, die im Wesentlichem impressionistisch geprägt waren. Der russische Maler Kasimir Malewitsch, der sich später noch radikaler von der Gegenständlichkeit entfernte, zum Beispiel durch sein „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“, begann seine Laufbahn als Impressionist unter dem besonderen Einfluss dieser Kathedralenbilder. Diese Bilder seien „Malerei im eigentlichen Sinn“, Monet gehe es „nicht um die Kathedrale, sondern um die Malerei“ (wie ich bei Google abgeschrieben habe!).

Auf der französischen Seite von Wikipedia findet sich eine größere Anzahl der Kathedralenbilder, als auf der deutschen, deshalb vielleicht interessant, auch wenn man die Sprache nicht beherrscht. Darüber hinaus sind die Bilder nach den unterschiedlichen Positionen Monets und den damit verbundenen Ansichten geordnet:
https://fr.wikipedia.org/wiki/S%C3%A9rie_des_Cath%C3%A9drales_de_Rouen

3. Pappeln
Eine dritte Reihe von identischen Motiven stellen Monets Pappelbilder dar. Sie sind allerdings in ihren Formen nicht so gleichförmig, wie die beiden anderen Motivgruppen. Sein Interesse daran unterscheidet sich jedoch nicht von den bisherigen Gegenständen.

Die Pappelserie besteht aus 15, diesmal recht unterschiedlichen Bildern. 1891 sollten die Pappeln gefällt und das Holz verkauft werden. Monet bat einen der interessierten Holzfäller das höchste Gebot zu überbieten und erstattete ihm die Differenz zu seinem ursprünglichen Gebot, so dass er 1893 diese Serie fortsetzen konnte.

Claude Monet, Vier Bäume, 1891, Metropolitain Museum of Art, New York. Bild: Rawpixel (Digitally enhanced) (CC0)

Das vierte und letzte Kapitel stellt Monets sehr große Seerosenbilder vor, die allerdings zunächst vom Publikum zunächst sehr verhalten aufgenommen wurden. Sehr viel später entdeckten die amerikanischen Maler des abstrakten Expressionismus, z.B. Jackson Pollock Monet für sich. Die amerikanisch-französische Malerin Joan Mitchell stellte sich ausdrücklich in die Tradition Monets. Barnet Newman bezieht sich in seinem Werk „Onement 1“ ausdrücklich auf Monet und zwar auf das hier gezeigte Bild der vier Pappeln.
https://www.moma.org/audio/playlist/249/112
Das war Newmans erstes Bild, in dem er die für ihn typischen senkrechten Streifen, die er „zip“ nannte ausführte.

Monets Gärten

Das Malen in der freien Natur ist das herausragendste Merkmal der Impressionisten. Wenn man bei der Motivsuche längere Strecken vermeiden möchte, bieten sich Gärten als bequemere Lösungen an. Bereits 1873 entdeckte Monet diese naheliegenden Motive in Argenteuil, wo er auch von Renoir bei der Arbeit gemalt wurde (s. Blog über Renoir vom 27. Januar 2024) und später in Vétheuil.

Claude Monet, Der Garten des Künstlers in Argenteuil (Ein Winkel mit Dahlien), 1873, National Gallery of Art, Washington D.C.- USA. (PD0)
Claude Monet, Der Garten des Künstlers in Vétheuil, 1888, National Gallery of Art, Washington D.C.- USA. (PD0)

Der Galerist Ernest Hoschedé hatte Monet schon sehr früh für sich entdeckt und erwarb trotz der schlechten Kritiken das Bild das später dem Impressionismus seinen Namen gab. Als Camille später erkrankte und die Arztkosten zu finanziellen Schwierigkeiten führten zogen die Familien Monet und Hoschedé gemeinsam nach Vétheuil, wo Camille 1869 ihrer Krebserkrankung erlag. Die dort entstandenen Bilder wurden erfolgreich in einer Ausstellung vorgestellt. Zusammen mit der positiven Resonanz auf seine Bilder bei der siebten Impressionismus-Ausstellung verbesserte sich Monets finanzielle Situation. Er mietete in Giverny eine ehemalige Apfelweinkelterei und zog dort mit seinen Kindern und Alice Hoschedé, die sich von ihrem Mann getrennt hatte, sowie mit deren Kindern, ein.

Darüber hinaus unternahm Monet in dieser Zeit viele Reisen, um Motive zu suchen, die er dann in Giverny zu den Bildern verarbeitete, die ihm seine weiteren Einkünfte sicherten. Das ermöglichte ihm, das Anwesen in Giverny zu erwerben. Dort begann er dann seine berühmten Gärten anzulegen, einen Blumengarten und einen Wassergarten.

Weg in Monets Garten in Giverny, 1902, Belvedere, Wien. Bild: Lluís Ribes Mateu, flickr. (CC BY-NC 2.0)
Claude Monet, Garten des Künstlers in Giverny, 1900, Musée d’Orsay, Paris. Bild: lawrence’s lenses, flickr. (CC BY-NC-ND 2.0, beschnitten und begradigt)

Seerosen (französisch: Nymphéas) waren zu dieser Zeit in Frankreich noch weitestgehend unbekannt und bei den ersten Exemplaren zunächst unscheinbar. Sie wurden nach längerer Forschung und Züchtung zu den farbenfrohen Arten entwickel, die wir heute kennen und erst 1889 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Das war übrigens die Ausstellung, für die der Eiffelturm als Eingangsportal und Aussichtsturm errichtet wurde. Monet, der seine Bilder dort präsentierte, entdeckte die bunten Pflanzen und kaufte zunächst sechs Seerosen.1 Damit legte er den Grundstein für seinen Seerosenteich, der wenig später in allen seinen Variationen Monets hauptsächliches Motiv wurde. Hier verfolgte er dieselben Prinzipien, die er schon bei den Heuhaufen- und den Kathedralenbildern entwickelt hatte, die verschiedensten Kombinationen von Motiv, Licht und Farbe in immer wieder neue Ansichten und Bildern einzufangen.

Claude Monet, Seerosen, 1906, The Art Institute of Chicago, USA. (CC0)
Claude Monet, Nymphéas, 1914-1917,Musée Marmottan Monet, Paris. Bild: Jean-Pierre Dalbéra, flickr. (CC BY 2.0)

1895 ließ Monet in dem Wassergarten eine Brücke im japanischen Stil errichten, die von da an zu einem immer wiederkehrenden Motiv wurde. Anfangs malte Monet die Brücke über dem Teich symmetrisch von der Seite, später versetzt vom Ufer aus. Sehr viel später zeigt er sie beinahe expressionistisch, wobei die Brücke nur durch Bögen angedeutet wird.

Claude Monet, Japanische Fußbrücke, 1899, National Gallery of Art, Washington D.C., USA. Bild: Free Public Domain Illustrations by rawpixel, flickr. (CC BY 2.0
Claude Monet, Seerosenteich, 1900, Art Institute of Chicago, USA. (CC0)
Claude Monet, Japanische Fußgängerbrücke, 1920-22, Museum of Modern Art, New York, USA. Bild: Stephen Sandoval, Wikipedia Loves Art Project via Wikimedia. (CC BY 2.5)

Die Seerosenbilder blieben aber nach wie vor sein hauptsächliches Thema. Wie schon bei den Kathedralenbildern, deren Aussehen sich ja je nach den Wetter- und Lichtverhältnissen veränderte, bearbeitete er mehrere Bilder gleichzeitig und wechselte auf kurzem Weg zwischen den Arbeiten vor dem Motiv und der Fertigstellung im Atelier hin und her. Sein großer Traum über lange Zeit war aber sehr große, raumgreifende Bilder seiner Seerosen zu malen. Die reine Wasserfläche mit Seerosen, ohne Horizont solle eine beruhigende, meditative Wirkung für die Betrachter haben.

Für private Innenräume waren solche Arbeiten völlig ungeeignet und Monet schwebte vor, die Arbeiten in der Folge des 1. Weltkrieges dem Staat zu schenken. Dem Alter entsprechend nahmen seine körperlichen Einschränkungen zu und ein Auffinden eines geeigneten Ortes für die riesigen Bilder erwiesen sich nicht zuletzt aus finanziellen Gründen als schwierig. Unterstützt wurde er von seinem langjährigen Freund, dem Politiker Clemenceau, der u. a. auch bis 1909 Premierminister war. Die Schenkung wurde 1922 vereinbart, die Bilder sollten in die noch nicht ganz fertiggestellte Orangerie kommen, die zugleich zu einem Monet-Museum umgebaut wurde. Monet malte außerdem eine größere Anzahl sehr großer Seerosenbilder, von denen sich einige auch im Museum of Modern Art in New York befinden.

Monet nahm immer wieder Korrekturen an den riesigen Bildern vor, die letztlich durch seinen Tod am 5. Dezember 1926 beendet wurden. Seitdem hängen 8 große Bilder des Seerosenteiches in dem ovalen Saal im Erdgeschoss, sowie weitere Werke in anderen Räumen. Die Orangrie wurde noch mehrfach umgestaltet, aber die großen Bilder blieben immer das Kernstück des Museums, das von dem Künstler André Masson als „Sixtinische Kapelle des Impressionismus“ getauft wurde.

Claude Monet, Seerosen, 1926, Orangerie, Paris. Bild: Happy A, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)
Claude Monet, Seerosen, 1926, Orangerie, Paris. Bild: Jon, flickr. (CC BY 2.0)
Claude Monet, Seerosen, 1926, Orangerie, Paris. Bild: Steven Zucker, Smarthistory co-founder, flickr. (CC BY.NC-SA 2.0)

Die raumgreifende Wirkung dieser bis zu 17 m breiten und 2 m hohen Bilder ist auf Fotos nicht nachvollziehbar und schon gar nicht in den kleinen Abbildungen eines Blogs. Selbst die Seite der Orangerie, in der übrigens auch weitere Werke Monets zu sehen sind, ist dazu nicht in der Lage:
https://www.museos.com/de/paris/orangerie-paris/

Gleiches gilt für die großen Seerosentafeln im MoMa:

https://www.moma.org/calendar/galleries/5110

Claude Monet, Seerosen, 1914-1926, Museum of Modern Art, New York, Bild: Kwong Yee Cheng, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0
Claude Monet, Seerosen, 1914-1926, Museum of Modern Art, New York, Bild: wyliepoon, flickr. (CC BY-NC-ND 23.0)

  1. Diese Informationen verdanke ich meiner Autorenkollegin Anja Weinberger beim Leiermann-Verlag:
    https://www.blog.der-leiermann.com/wie-kamen-die-seerosen-nach-giverny/
    ↩︎

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