Monet (1)

Claude Monet, (1840 – 1926) war ein weiterer prägender Maler des Impressionismus. Gilt Pissarro als Vater dieser Kunstrichtung, so gab Monet ihr den Namen, allerdings ungewollt mit seinem Bild „Impression, Sonnenaufgang“ des Hafens von Le Havre. Den Begriff gab es schon länger, als Kritik an einer als oberflächlich interpretierten Gestaltungsweise. Bei der ersten Impressionismus-Ausstellung 1874 nahm ein positiv eingestellter Kunstkritiker Monets Titel als Bezeichnung für diese Kunstrichtung, deren Maler nicht das malten, was sie vor sich sahen, sondern den Eindruck, den dieser Anblick bei ihnen auslöste.

Das titelgebende Werk wurde 1985 aus dem Marmottan-Museum neben anderen Werken geraubt, ein Aufschrei ging durch Frankreich: „Die Sonne wurde gestohlen“. Fünf Jahre später wurden die Werke in Italien gefunden, von wo aus man sie an die japanische Mafia verkaufen wollte.

Nach der Rückkehr der Werke erhielt das Marmottan-Museum den Namen Musée Marmottan Monet.

Claude Monet, Impression, soleil levant (Sonnenaufgang), 1872, Musée Marmottan Monet, Paris. Bild: Jean-Pierre Dalbéra, flickr. (CC BY 2.O)

Eine lesbare Kurzfassung über sein Lebenswerk wird angesichts Monets Gesamtwerk schwierig. Zumindest seine vorimpressionistische Phase könnte man etwas straffen. Monets Version des „Frühstücks im Grünen“ sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, seine Geschichte ist lesenswert. Es war, wie der Titel nahelegt, eine Reaktion auf den von Monet bewunderten Manet mit seiner provokanten Ausführung. Monet blieb aber konservativer, um dem Publikumsgeschmack näher zu kommen.

Das Bild war so groß, dass er es im Atelier fertigstellen musste und nicht in der Freiluftmalerei der Schule von Barbizon, der er eigentlich schon folgte. Das Bild sollte im Salon von 1866 ein Publikumserfolg werden, Monet schaffte es allerdings nicht, es rechtzeitig fertig zu bekommen, zumal der Freiluftmaler Courbet es kritisierte. In der Tat konnte wohl der Studioausführung mit der Wirkung einer spontanen Arbeit im Freien nicht mithalten. Monet reichte das Bild nicht für den Salon ein und musste es aus finanzieller Not seinem Vermieter für Mietschulden vorübergehend überlassen.

Als er es wieder auslösen wollte, war es durch die Lagerung im feuchten Keller verdorben und Monet zerteilte es in drei halbwegs unzerstörte Teile, von denen sich heute zwei im Musée d’Orsay befinden, der dritte ist verschollen. In Moskau ist allerdings eine kleinere, aber bereits recht differenzierte Studie ausgestellt, die zumindest den Gesamteindruck wiedergibt. (Für Puristen sei angemerkt, dass alle Bilder mit dem französischen Titel die Mahlzeit zu Mittag bezeichnen, während das Frühstück ein petit déjeuner ist.)

Camille

Als Monet klar wurde, dass er das Frühstück im Grünen nicht rechtzeitig fertigbekommen konnte, malte er seine spätere Frau Camille im grünen Kleid. Dieses Bild stellte er ausgesprochen schnell her, die Rede war von 4 Tagen, immer noch in seiner vorimpressionistischen Phase. Das Bild des weitestgehend unbekannten Künstlers, der außerdem mit Manet verwechselt wurde, fand Anklang Bei Kritikern und Publikum und wurde auch von Zola, der Monet zu dieser Zeit noch nicht kannte, positiv erwähnt. Camille ist übrigens auch auf dem linken Teilstück des Frühstücks im Grünen mit Frédéric Bazille, einem ebenfalls der ersten impressionistischen Maler, zu sehen.

Claude Monet, Camille im grünen Kleid, 1866, Kunsthalle Bremen. Bild: jean louis mazieres, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0, erlaubte Überarbeitung gemäß Lizenz: Anpassung der Farbe)

Die Bilder Monets von Camille sind so zahlreich, dass man zumindest von dieser Lebensphase das Gesamtwerk Monets mit ihr als Motiv sehen kann. Neben ihrer Funktion als Modell, wie zum Beispiel mit Sonnenschirm und ihrem Sohn , gibt es auch einige wenige private Einblicke, wie auf dem Bild „Das Mittagessen“ (Diesmal richtig!), das noch kurz vor seiner impressionistischen Phase entstand und möglicherweise laut Kommentar des Städel-Museums durch die Ablehnung für den Salon von 1870 seine Hinwendung zum Impressionismus motiviert hat.

Claude Monet, Das Mittagessen, 1868/69, Städel Museum Frankfurt am Main. (PDM 1.0)

Eine frühe Arbeit im impressionistischen Stil ist das Bild „Am Ufer der Seine bei Bennecourt“ von 1868. Monets zukünftige Frau Camille Doncieux sitzt am Ufer einer Insel gegenüber Gloton, das Zola als günstigen und von Paris aus gut erreichbaren Erholungsort empfohlen hatte.

Claude Monet, Am Ufer der Seine bei Bennecourt, 1868, Art Institute of Chicago, USA. (CC0)

Das Bild von seiner Frau mit Sonnenschirm wurde offensichtlich in wenigen Stunden gemalt und reduziert den Eindruck durch die seitliche Wendung und dem vom Wind bewegten Kleid auf lediglich einen kurzen Moment. Die Malweise macht keinen Unterschied zwischen den Personen und der Umgebung, das Kleid nimmt die Reflexe des blauen Himmels und der gelben Blumen auf. Die Spontaneität und Natürlichkeit der Darstellung wurde auf der 2. Impressionistenausstellung 1876 gelobt.

Claude Monet, Frau mit Sonnenschirm – Madame Monet und ihr Sohn, 1875, National Gallery of Art, Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon, Washington, USA. (PD0)

Camille wurde an die 60 Mal von Monet gemalt. Das bewegenste und eindriglichste Bild ist jedoch das, welches er von seiner Frau auf dem Totenbett gemalt hatte. Wenige Tage bevor der Krebs ihr Leben beendete, wurde durch einen kirchlichen Segen die 1870 erfolgte standesamtliche Hochzeit ergänzt.

Claude Monet, Camille auf dem Totenbett, 1879, Musée d‘Orsay, Paris. Bild: jean louis mazieres, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)

Monet machte sich Vorwürfe, angesichts der geliebten Verstorbenen die farblichen Schattierungen auf dem Gesicht, zu studieren, wie ein emotionsloser Maler sein Modell. Sein Freund, der Politiker Clemenceau, dem er mit schlechtem Gewissen seine Reaktion gestand, erklärte ihm aber, dass es eben seine Art des Sehens ist, die sich von derjenigen anderer Menschen unterscheidet. Noch heute, kann ich mir vorstellen, ihm zu sagen wollen, dass ich nie ein eindringlicheres Bild einer verlorenen Liebe gesehen habe, das mit dem Verschwinden der Farbe das Verschwinden des geliebten Menschen so unmittelbar zum Ausdruck gebracht hat.

Impressionismus

1863 reiste Monet in den Wald von Fontainebleau, wo er in dem Atelier von Charles Gleyre, auf Renoir und Sisley traf, auch mit Manet war er übrigens befreundet. Die Freundschaft und Zusammenarbeit mir Renoir, dessen Version der Badeinsel « La Granouillère », die im letzten Blog vorgestellt wurde wird als eigentliche Initialzündung des Impressionismus als Kunstrichtung der Malergruppe angesehen. Konsequent scheiterte Monet dann auch mit der Einreichung seines Bildes für den Salon.

Claude Monet, La Grenouillère, 1889, Metropolitain Museum of Art, New York. Bild: Gandalfs Gallery, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)

Monet und Camille heirateten 1870 und verbrachten die Flitterwochen in dem Badeort Trouville. Er malte dort mehrere Bilder, hier sieht man einen für die damalige Zeit ungewöhnlichen Ausschnitt, der wirkt, wie eine fotografische Nahaufnahme, die Bildränder beschneiden die Figuren, ebenso wie die beiläufig wirkende Gruppierung ist die Malweise impressionistisch grob und ohne Details.

Claude Monet, Am Strand von Trouville, 1870, National Gallery, London. (CC BY-NC-ND 4.0)

Das Bild scheint eine unbeschwerte Szene wiederzugeben, aber Frankreich hatte gerade Preußen den Krieg erklärt und das Paar beeilte sich, rechtzeitig nach England zu kommen. Dort lernte Monet die Arbeiten von Constable und Turner kennen, welcher die atmosphärischen Effekte von Licht und Luft bereits vor Monet umsetzte.

1872 ließ sich Monet ein Atelierboot bauen, in dem ihn Manet malte. Vom Wasser aus konnte er viele neue Blickwinkel verarbeiten.

Claude Monet, Das Atelierboot, 1874, Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande. Bild: Lluís Ribes Mateu, flickr, (CCV BY-NC 2.0, Farbe angepasst)
Claude Monet, Sportboote (Bateaux de plaisance) ; Argenteuil, 1872-73, Musée d’Orsay, Paris. Bild: http://www.photo.rmn.fr/archive/04-513618-2C6NU07U3JU1.html.(via Wikimedia) (CC BY-SA 4.0)

Ab 1873 fanden die Impressionisten wieder in Frankreich zusammen, Monet und Renoir arbeiteten wieder parallel an denselben Motiven. Seine Frau war zu Lebzeiten ein häufiges Modell, er malte meines Wissens als einziger franzöischer Impressionist auch industrielle Themen. Den bereits vorgestellten Bahnhof Sait Lazare gibt es in mehreren Ausführungen. Einen anderen Blickwinkel zeigt das folgende Bild:

Claude Monet. Le Pont de l’Europe, Gare Saint Lazare, 1877, Musée Marmottan Monet, Paris. Bild : Jean-Pierre Dalbéra, flickr. (CC BY 2.0)

Ein weiteres eindrucksvolles Bild; https://www.marmottan.fr/notice/4017/?is=true
(*Auch wenn Wikipedia diese Abbildungen für gemeinfrei erklärt, bezieht sich das nicht auf die Eigentumsrechte der Museen.)

Daneben schuf er aber weiterhin seine bis heute beliebten Landschaftsbilder.

Claude Monet, Die Mohnblumen bei Argenteuil, 1773, Musée d’Orsay, Paris. Bild: Steve Hall. (CC BY-NC-ND) (Farbe angepasst)

Nach dem Tod von Camille zog sich Monet nach Giverny zurück. Liiert war er zu dieser Zeit mit Alice Hoschedé, die Camille bis in den Tod gepflegt hatte. Mit ihr und seinen zwei Söhnen lebte er im Gebäude einer Apfelkelterei, bevor er ab 1890 das Haus kaufte und begann seinen bekannten Garten anzulegen. In den 80er Jahren reiste er noch häufig und malte wie früher vor allem in der Normandie ihre Naturdenkmäler und Seestücke.

Claude Monet, Der Strand bei Saite-Adresse, 1867, Art Institute Chicago, USA.(CC0)
Claude Monet, Klippen bei Etretat 1885, Bild: courtesy Clark Art Institute (Williamstown, USA). clarkart.edu.

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