Renoir

(Pierre-) Auguste Renoir (1841 – 1919) machte mit 13 Jahren eine Lehre als Porzellanmaler, fertigte dann Auftragsarbeiten für Dekorationen und Fächer an und studierte danach, wie auch Monet, Sisley, oder McNeill-Whistler bei Charles Gleyre. Als Vorbild nahm er sich Courbet von der Schule von Barbizon und folgte dessen Beispiel der Freiluftmalerei. Dabei lernte er unter anderem Sisley und Monet kennen. Sein erstes impressionistisches Werk war das Freilichtportrait seiner Geliebten Lise mit Sonnenschirm, das 1868 für den Pariser Salon angenommen wurde. Überzeugend hat er die große und trotzdem gegliederte weiße Fläche des Kleides mit nur wenigen farblichen Akzenten ins Bild gesetzt, besonders den transparenten Stoff der Ärmel. Heute ist es eines der Meisterwerke des Folkwang-Museums.

Lyse mit dem Sonnenschirm, 1867, Museum Folkwang, Essen. Bild: Norbert Schnabel, in: Stendhal-Syndrom, blogger.com, 8. Februar 2014.

Renoir malte unter anderem parallel zu Monet das Treiben auf der Badeinsel «La Granouillère». Beide Bilder Renoirs sind nicht datiert, allerdings ist das Monet-Bild, das im letzten Blog gezeigt wurde, 1869 entstanden, so dass auch die beiden Renoirs in diesem Jahr entstanden sein dürften. Zeigen kann ich nur das Bild aus Schweden, für das Bild aus dem Puschkin-Museum ist hier der Link:

Wie bei Monet ist die Malweise impressionistisch, mit groben, schnell hingemalten Pinselstrichen und direkt vor Ort entstanden. Auch das Thema entspricht der Mode der damaligen Zeit. «La Granouillère», auf Deutsch die Froschinsel wurde nicht nach den Tieren, sondern nach dem Spottnamen für die jungen weiblichen Badenden benannt, der Ort war ein beliebtes Ausflugziel der Bevölkerung von Paris. Die Bilder sind also neben der künstlerischen Qualität auch Sittenbilder dieser Zeit und gliedern sich auch dadurch in die Beschreibung des 19. Jahrhunderts aus dem letzten Blog ein. Die inoffizielle Seite der Badeinsel findet sich in einer Kurzgeschichte von Maupassant beschrieben:

„In dem Café am Wasser war es schrecklich laut. Bierrinnsale liefen über die Tische zwischen halbleeren Gläsern und halb betrunkenen Menschen. […] Die Männer saßen dort mit ihren Hüten auf dem Hinterkopf und ihren blutroten Gesichtern und wässrigen Augen; […] Die Frauen, die nach dem Fang des Abends Ausschau hielten, nahmen in der Zwischenzeit Gläser mit Bier oder Wein entgegen […] Der ganze Ort stinkt nach Dummheit, nach Pöbel, nach käuflicher Liebe.“
(zitiert nach dem schwedischen Kommentar zu dem Bild)

Auguste Renoir, La Grenouillere, 1869, Schwedische Nationalgalerie, Stockholm, via Wikimedia (Kooperationsprojekt zwischen Wikimedia/Schweden und dem Museum)

Eines der bekanntesten Werke Renoirs ist der »Tanz im Garten der Moulin de la Galette«. Renoir war ein Maler, dem die Lebensfreude sehr am Herzen lag, was die meisten seiner Bilder zum Ausdruck bringen. Einige der Personen im Vordergrund sind als Freunde des Malers erkennbar, allerdings sind sie mit beinahe derselben Unschärfe dargestellt, wie die tanzenden Menschen im Hintergrund. Hieran erkennt man den Unterschied zwischen dem Impressionisten Renoir und dem späteren realistischeren Maler seiner Freunde, der Ruderer, der sich danach noch weiter vom Impressionismus entfernt.

Auguste Renoir, Bal au Moulin de la Galette, 1876, Musée d’Orsay, Paris. Bild: rawpxel.com. (CC0)

Vorder- und Mittelgrund sind in einem bläulichen Grundton gehalten, der von hellen Elementen, insbesondere den Lichtflecken unterbrochen wird, die wohl durch das Laub der Bäume auf die Szene hervorgerufen werden. Das tanzende Paar links ist durch das helle Kleid der Frau und dem Licht, das diese Stelle ummantelt, ein Gegengewicht zu den dunkleren Gruppierungen auf der rechten Seite.
Zum Vergleich noch einmal die Ruderer:

Pierre-Auguste Renoir, Frühstück der Ruderer, 1880/81, The Phillis Collection, Washington D.C, USA. Bild: rawpixel.com. (CC0)

Ein weiteres Bild zeigt die enge freundschaftliche Art der Zusammenarbeit Renoirs mit Monet. Man sieht den malenden Monet, in impressionistisch-groben und vermutlich schnellen Pinselstrichen gemalt. Der ansonsten undeutlich gemalte Monet ist gut an seiner typischen Kopfbedeckung zu erkennen. Der malende Freund wird hier mit der typischen kleinen, tragbaren Staffelei dargestellt, die ihn als Impressionisten ausweist. Das Bild ist kompositorisch durchdacht aufgebaut. Eine in der Abenddämmerung verblassende Häuserzeile vor dem letzten Sonnenlicht am Himmel und davor eine bereits im Schatten versinkende überbordende Blumenhecke, die sich mit der Wirkung eines Pfeils zum Maler hin verjüngt, der ein senkrechtes Gegengewicht zu den sonst waagerechten Anordnungen bildet. Die Staffelei dazwischen wirkt wie eine optische Bremse dazwischen. Kräftige Farben für die Blüten beleben die bereits schattige Hecke.

Auguste Renoir, Claude Monet, malend in seinem Garten in Argenteuil, 1873, Wadsworth Atheneum Museum of Art, USA. Bild: Lluís Ribes Mateu, flickr. (CC ByY-NC 2.0)

Ab dem Beginn der 1980er Jahre begann Renoir, sich vom Impressionismus zurückzuziehen. Die Gründe hierfür waren ausgesprochen profan, Er bekam schlechte Kritiken und verkaufte wenig. Das „Frühstück der Ruderer“ mit seinen klaren Konturen und erkennbaren Personen ist bereits ein deutliches Beispiel für diese Wendung. Was in dieser Phase noch deutlicher zum Tragen kommt und Renoir zu einem beliebteren und erfolgreicheren Maler machte, ist die bereits erwähnte Darstellung der Lebensfreude der Menschen. Das ist bei dem Bild „Nach em Essen“ deutlich nachzuvollziehen, der Digestiv und das Anzünden der Zigarette führen offensichtlich zu den zufriedenen Ausdrücken der Personen. Meiner Meinung nach ist dies eine Arbeit, die den Übergang vom Impressionisten zu dem späteren Maler zeigt. Auch die frühstückenden Ruderer sind eine fröhliche Runde. Beide Bilder weisen auch die leicht verschwommenen Konturen der Personen auf, die für diese Phase Renoirs kennzeichnend sind.

Auguste Renoir, Nach dem Essen, 1879, Nennung, Städel Museum, Frankfurt am Main. (PD0)

Trotz guter Kritiken deckten die Verkäufe seiner Bilder kaum die Lebenshaltungskosten, bis er über die Vermittlung einiger Fürsprecher, unter ihnen dem Verleger Charpentier, Aufträge für Portraits erhielt. So ganz begeisterten ihn diese Arbeiten nicht, allerdings ermöglichten die Verkäufe einige Reisen, unter anderem nach Italien, wo er Impulse aufgriff, die seinen Malstil noch einmal veränderten. Hier ein Portrait von Charpentiers Frau mit ihren Kindern:

Auguste Renoir, Madame Georges Charpentier (Marguérite-Louise Lemonnie)r, und ihre Kinder, Georgette-Berthe und Paul-Émile-Charles, 1878, Metropolitan Museum of Art, New York. (OA)

Nach diesen Reisen änderte sich Renoirs Malstil noch weiter in Richtung einer klassizistischen Prägung. Seiner Vorliebe für lebensbejahende Arbeiten blieb er weiter treu. Hier schließt sich wohl auch ein Kreis, der mit Kopien von Rokoko-Künstlern im Louvre begann. Auch diese zeigten teilweise recht unverhohlen die genießerischen Seiten des Lebens und wie bei diesen spielen auch weibliche Körper eine wichtige Rolle in dieser Schaffensphase Renoirs.

Dieses Spätwerk stieß auf Unverständnis und Ablehnung. Es verdankt sich Renoirs Selbstkritik, in der er äußerte, weder malen, noch zeichnen zu können. Was das betrifft, so überzeugen diese Arbeiten unter technischen Aspekten vom Gegenteil. Seine Vorbilder gingen bis in die Antike zurück, deren Zeitlosigkeit er sich zu eigen machen wollte. Ich denke, das Ergebnis ist Geschmackssache.

Auguste Renoir, Die großen Badenden, 1884-87, Philadelphia Museum of Art. Bild: Steven Zucker, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)

Besonders in seinen späten Jahren hat sich Renoir auch mit Skulpturen beschäftigt, die, wie viel seiner Werke sein Interesse an Sinnesfreuden zum Ausdruck bringen. Die Venus Victrix, die siegreiche Göttin in dem Wettbewerb mit Minerva und Juno, die die den Apfel des Paris hält, entblößt sich mit einer Geste, die an die Darstellungen der Geburt der Venus erinnern. Vom Stil entspricht diese und gemeinsam mit anderen Skulpturen die Rückkehr zu den Stilen von Realismus und Idealismus, wie ihn auch die späten Gemälde zeigen. Die Ähnlichkeit zu den Badenden ist wohl mehr als zufällig.

Auguste Renoir, Venus Victrix, 1914, City Park, New Orleans, USA. Bild: Reginald Rachuba, flickr. (CC BY-NC-SA 2.0)

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