
(Freigabe ohne CC-Lizenz für nicht-kommerzielle Verwendung für alle Bilder Goyas aus dem Prado-Museum.)
Gemälde (1)
Der spanische Maler Francisco José de Goya y Lucientes (1746 – 1828) studierte bereits mit 14 Jahren Barockmalerei, drei Jahre später bewarb er sich um die Aufnahme der königlichen Akademie und wurde abgelehnt. Daraufhin reiste er nach Italien um die Malerei des Barock zu studieren, kehrte dann aber wieder nach Madrid zurück und arbeitete in der Werkstatt des Hofmalers, dessen Schwester er zehn Jahre später heiratete. Diese Vorgeschichte ist deshalb von Bedeutung, weil ihn sein Schwager und früherer Lehrer am spanischen Königshof einführte. Er malte zunächst in Öl auf Pappe Vorlagen für die Königliche Teppichmanufaktur zur Zeit des Königs Karl III., der ihn später zum Maler des Königs ernannte. Ein frühes Werk aus dieser Zeit ist das Bild »Der Sonnenschirm«. Eine junge Frau, die sehr selbstbewusst mit großen Augen in Richtung des Betrachters schaut, ist sitzend in einer dreieckigen Form nach italienischem Vorbild dargestellt. Ihr Ausdruck wird von einigen Interpreten als verführerisch eingestuft. Hinter ihr steht ein junger Mann, der einen Sonnenschirm hält. Er scheint lichtdurchlässig zu sein, denn einen Schimmer seiner grünen Farbe findet sich auf der Stirn der Frau. Die meisten Farben der Figuren sind kräftig u. a. in den Komplementärkontrasten Gelb-Grün und Blau-Orange. Dieses Farbarrangement ist bereits ausgesprochen kunstvoll. Die Farben leuchten noch in dem Licht, das die Figuren bescheint, während sich dahinter von links eine dunkle Wolke über einer ebenfalls dunklen Mauer nähert, was die Leuchtkraft der Farben verstärkt.

Das Bild mit der Strohpuppe zeigt vier junge Frauen, die eine Strohpuppe mit einem gespannten Tuch auffangen und wieder hochwerfen. Vordergründig ist es ein Karnevalsbrauch zu Aschermittwoch, auch andernorts wird eine Symbolfigur für die begangenen Sünden bestraft. In einem früheren Entwurf sah es so aus, als habe die Puppe noch aufrecht und mit erhobenem Kopf ebenfalls Spaß an dem Vergnügen. In der jetzt leidvolleren Pose bekommt das Spiel einen sadistischen Charakter der mit einem männlichen Symbol spielenden Frauen. Diese Thematik greift Goya später noch einmal auf. Man muss allerdings auch berücksichtigen, dass Frauen in Spanien erst unter Carlos III. ab 1880 Zugang zu Bildung und zur Arbeitswelt erhielten, da sind einige Rachegedanken nachvollziehbar. Dieses war der letzte Karton, wie die Vorlagen für die Teppichmanufaktur genannt wurden.

1780 wurde Goya doch noch zum Mitglied der Königlichen Akademie von San Fernando ernannt. Damit verbunden waren u. a. Privilegien und eine Professur. Im Anschluss erhielt er bereits Portraitaufträge von Adligen und Verwaltungsbeamten. Vom Maler des Königs unter Karl III. wurde Goya 1789 zum Hofmaler von Karl IV. Ab da wurde er zum wichtigsten Portraitmaler der Aristokratie.
Bei dem Portrait des Premierministers Graf von Floridablanca setzt er sich selber mit ins Bild, wobei er dem Grafen sein Portrait vorzeigt, das der Betrachter natürlich von hinten sieht. Der Graf steht mittig im Bild, er schaut nach vorne und ist mit kräftigen Farben gemalt. Wenn man vom Kopf Goyas links eine Linie über den Kopf des Grafen zieht berührt sie im rechten Hintergrund ein Portrait des Königs als Ausdruck einer Rangordung. Eine Reihe von Utensilien liegt auf einem Tisch und auf der Erde, eine weitere Person ist im Hintergrund. Diese Elemente sollen die Bedeutung der portraitierten Person herausstellen, sein Kopf wirkt etwas hölzern, was vermuten lässt, dass die Persönlichkeit hinter den Insignien seiner Bedeutung in den Hintergrund tritt.

Auch das Gesicht der Marquesa de Pontejos hat noch recht hölzern Züge, während die Kleidung, ein geraffter Rock und ein transparenter Unterrock, der die Beine durchschimmern lässt, von großer Kunstfertigkeit zeugen. Die Taille ist übernatürlich eng, der Hintergrund verschwimmt konturlos in der Ferne. Da die Modelle für Bilder länger stillhalten müssen, wurden häufig Kleider auf Ständern gemalt. Auch der Hintergrund bedarf keiner Vorlage, lediglich das Gesicht wird in Sitzungen mit dem Modell gemalt. Das daraus etwas starr wirkende Arrangement wird nur durch den Hund belebt, der in Bewegung erscheint und in seiner Natürlichkeit auf reale Studien schließen lässt. Das Bild wurde nach der Hochzeit der Marquesa mit dem Bruder Grafen von Floridablanco, der auf dem anderen Portrait zu sehen ist, angefertigt.

Ein sehr bekanntes und bemerkenswertes Werk ist das Bild »Die Familie Karls IV.« In Anlehnung an das Bild »Las Meninas« seines Vorbildes Velázques fügte er sich links hinten an einem Bild malend selbst mit ein. Umgeben von der Königsfamilie steht Karl IV rechts von der Mitte, während seine Frau in einem prunkvollen Kleid die mittlere Position einnimmt.

Nach dem aufgeschlossenen, König Karl III., der mit den Gedanken der Aufklärung sympathisierte und die Macht der Kirche einschränkte war sein Sohn, Karl IV. eher phlegmatisch und nicht sehr entscheidungsfreudig. Seine Frau, Maria-Luise von Bourbon-Parma hingegen war machtinteressiert und regierte aus dem Hintergrund. Gegen den oben portraitierten Graf Floridablanca intrigierte sie bereits unter dem vorigen König erfolgreich. Dem König schien es Recht zu sein, er akzeptierte offensichtlich auch ihre Liebhaber, von denen Manuel Godoy später als Erster Staatsminister ihr verlängerter Arm wurde.
Goya erfüllte alle malerischen Wünsche der Portraitierten, die aufwendige festliche Kleidung, der Schmuck, das alles in Lebensgröße. Doch die Gesichter sind ausdruckslos, schauen in mehrere Richtungen, der beleibte König wird nicht in die Mitte gestellt, dort steht seine Frau, die alle politischen Fäden in der Hand hält, ungeschönt wird die selbstgefällige Familie gezeigt. Goya hatte mit seinen malerischen Fähigkeiten eine kritische Distanz gegenüber dieser Familie zum Ausdruck gebracht. Der französische Schriftsteller Théophile Gautier beschrieb seinen Eindruck über den König auf diesem Bild als Bäcker mit seiner Frau, der in der Lotterie gewonnen hat. Erstaunlich ist, dass Goya für diese Freiheit nicht in Ungnade fiel, offensichtlich war Gutmütigkeit auch eine Eigenschaft dieses schwachen Königs. Goya hatte übrigens den König alleine 1790 weitaus freundlicher portraitiert.

1792 erkrankte Goya schwer, möglicherweise durch einen Schlaganfall. Die Folge war Taubheit. Danach änderte er seine Arbeitsweise und sein kritischer Gestus nahm zu. Zwei zusammengehörenden Gemälde sind vor und nach diesem Schicksalsjahr entstanden.
Goya malte zwei beinahe identische Bilder einer liegenden Frau, nur war die erste vollständig nackt und die zweite bekleidet. Die Frau, oder die Frauen, ob es ein und dieselbe ist, oder nicht, ist nicht eindeutig, erhielten die Bezeichnung »Maja«. Damit war eine attraktive junge Frau gemeint, jedoch aus der Unterschicht. Das männliche Gegenstück »Majo« erleichtert die Einordnung. Höher gestellte Frauen ließen sich jedoch eine Zeit lang gerne als Maja darstellen.
Beide liegen mit den Händen hinter dem Kopf verschränkt auf der rechten Seite des Bildes auf einer grünen Chaiselongue mit weißen Kissen und einem Tuch, das weiß auf dem einen und grau auf dem anderen Bild ist. Zu der Identität der Frau(en) gibt es verschiedene Theorien, möglich ist aber auch, dass die einzelnen Körperteile von verschiedenen Personen übernommen sind. Der Kopf zumindest von der nackten Maja scheint nicht zu Körper zu passen.

Als Auftraggeber wird der Staatsminister Manuel de Godoy vermutet, seine Geliebte wurde u. a. als Modell gehandelt. Die Bilder wurden in einer privaten Kammer aufbewahrt und waren mit einem Mechanismus versehen, der zuerst nur die bekleidete Maja zeigte, die aber verschoben werden konnte, so dass die andere sichtbar wurde. Trotz dieser privaten Situation waren beide Bilder ein Skandal, der Goya in Schwierigkeiten brachte. Nackte Figuren als Selbstzweck waren anstößig, während religiöse und klassische Themen in dieser Form akzeptiert wurden. Der offene Blick in Richtung der Betrachter, die hinter dem Kopf verschränkten Arme, die den Körper hervorheben, lassen auf eine selbstbewusste Frau schließen, die der Rolle der Frau in der Gesellschaft überhaupt nicht entsprach. Es könnte aber auch eine Prostituierte darstellen, die sich in dieser Pose anbietet. Es ist wohl die erste Nacktdarstellung in Europa, die nur dem Selbstzweck dient und auch die erste, auf der weibliche Schambehaarung zu sehen ist.
Die bekleidete Maja ist allerdings nicht viel züchtiger, das Kleid umschließt mit einem breiten rosafarbenem Band eng die Taille, so dass die Brust hervorgehoben wird, es legt sich außerdem eng um die Schenkel, und versinkt im Schatten des Schoßes, so dass das Verborgene hervorgehoben wird und auch hier eine sehr selbstbewusste Erotik gezeigt wird.
Durch politische Umstände wurden die Bilder entdeckt und Goya wurde von der Inquisition vorgeladen. Es gelang ihm wohl auf andere Maler mit Venusmotiven zu verweisen, so dass er unbeschadet davonkam. Möglicherweise kam ihm auch der König zu Hilfe. Allerdings verlor er seinen Status als Hofmaler und die Bilder wurden weggeschlossen. Erst 1900 wurden sie wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Von deinen Künstlerportraits bin ich immer sehr beeindruckt; ich lerne sehr viel dazu. Dankeschön! Goya ist zwar nicht mein bevorzugtester Maler, aber er ist wunderbar detailreich und das fasziniert mich dann doch wieder.
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