Pan

Arnold Böcklin: Pan im Schilf, 1858. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek, München.

Es war eine unerwartete Begegnung für mich, eine Offenbarung, noch relativ früh in meinem Leben mit der Kunst, beim Schlendern durch die Neue Pinakothek in München.

Es geht um ein Werk des Schweizers Arnold Böcklin, der wie viele andere in Italien Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfand, die er denen im Norden vorzog. Man nannte diese Gruppe Deutschrömer, Sie suchten parallel zu den französischen Impressionisten, aber ohne deren Gruppendynamik und mit vergleichbar mäßigen Erfolg nach neuen Wegen in der Kunst. Immerhin wurde Böcklin später von einigen Surrealisten als Vorläufer angesehen.

Eine Figur befindet sich im Zentrum des Bildes. Sie sitzt im Schilf, wächst scheinbar aus der Landschaft heraus wie ihre Personifizierung. Sie stellt den Hirtengott Pan dar, der mit Hörnern, Ziegenfüßen und Bart auf die Welt kam. Wir sehen hier ein Wesen aus einer anderen Welt, gemalt mit den Kontrasten von Lichtflecken im Schatten, die, wie bei Liebermann, die schattige Kühle unter von Sonne beschienen Bäumen spürbar werden lassen. Eine bildgewordene Vision. Mit ein paar Fröschen als Publikum findet auch eine ironische Distanzierung aus der Neuzeit einen Ausdruck.

Pan, der ewige Lüstling, verfolgte eine Nymphe, die im letzten Moment in Schilfrohr verwandelt wurde, so erzählt es Ovid. Und der enttäuschte Liebhaber wird ein Beispiel für Freuds Theorie der Sublimierung, für die Umwandlung der Libido in gesellschaftlich anerkannte Kultur oder auch gesellschaftlich weniger anerkannte Kunst. Er fügt die Schilfrohre zu einem Instrument zusammen, der nach ihm benannten Panflöte und musiziert darauf. Antike, Neuzeit, Impressionismus, Psychoanalyse, eine Explosion an Bedeutungen und Verweisen. gemalt mit der ruhigen Sicherheit einer Kunstfertigkeit, die sich gerade auf schattigem Waldboden entspannt.

Es existiert eine ältere Fassung des Bildthemas, bei der die Figur größer ist, während hier der Pan kleiner und mehr Teil der Natur zu sein scheint, auch wirkt er konzentrierter beim Spiel.

Zwei Fassungen gibt es auch bei einem weiteren Motiv des Pan. Auch hier wird der Pan in der späteren Fassung mehr dem natürlichen Gelände angeglichen und erscheint stärker als eine Vision, die sich hier auch als Erklärungshintergrund anbietet. Der Eindruck, dass die Figuren wie aus der Umgebung herausgewachsen dargestellt sind ist also geplant.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist pan-erschreckt-einen-hirten-schack-60-2.jpg.
Arnold Böcklin: Pan erschreckt einen Hirten, ca. 1860. Sammlung Schack, Bayrische Staatsgemäldesammlungen, München.

Diese Bilder heißen beide „Pan erschreckt einen Hirten“. Die Figur wird als Erscheinung in der Mittagshitze interpretiert, allerdings ist sie gut identifizierbar. Hier ist Pan ebenfalls wieder der Ursprung für einen Begriff, die Panik, die er bei dem Hirten auslöst. Der Gott, der den Hirten eigentlich Schutz biete sollte, wird der Sage nach ungehalten, wenn man seine Mittagsruhe stört. Er ist Pate für ein Phänomen, das Menschen kennen und das später als Panikattacke für die Betroffenen therapierbar wird. Ich sehe allerdings in der antiken Figur und in Böcklins Darstellungen die Ernsthaftigkeit, zumindest in Visionen dem Menschen vor Augen zu halten, dass er ein mit der Natur verbundenes Wesen ist, dessen dunkle Seiten, Angst, Schrecken und raue Wollust, aber auch genießerische Sinnlichkeit und künstlerisches Spiel ein Teil von ihm sind und vielleicht gar nicht einmal immer so verteufelt dunkel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.